Sie möchten einer Boutique-Beratungsfirma beitreten?
FĂ€llt es Ihnen schwer, bei McKinsey, BCG, Bain & Co. oder anderen Spitzenfirmen angenommen zu werden? Oder vielleicht sind Sie sich auch einfach nicht sicher, ob Sie ĂŒberhaupt mit groĂen Firmen zusammenarbeiten möchten? Vielleicht passt die Arbeit in einem kleinen Unternehmen ja besser zu Ihnen?
Jahrzehntelanger Erfolg und ein starker Kundenstamm haben MBB- und Big-4-Firmen zu den begehrtesten Unternehmen fĂŒr angehende Berater gemacht. Viele ehrgeizige und fleiĂige Kandidaten versuchen jedes Jahr ihr GlĂŒck. Trotzdem gelingt es nur einer Handvoll, tatsĂ€chlich angenommen zu werden. Dabei vergessen viele Kandidaten, dass sie auch die Chance haben, in einer Boutique-Beratungsfirma erfolgreich zu sein. Auch wenn diese Firmen klein sind, gibt es bei Ihnen viel Karriere-Potenzial.
In folgendem Artikel erfahren Sie, was Sie ĂŒber die Karriere in einer Boutique-Beratungsfirma wissen sollten, sodass Sie in der Lage sind, eine fundierte Karriereentscheidung zu treffen.
Boutique (Substantiv): âEin kleiner Laden oder ein besonders kleines ModegeschĂ€ft, in dem modische Artikel, KleidungsstĂŒcke o. Ă. angeboten werden.â Das ist die Definition des Dudens fĂŒr das Wort Boutique.
In einem Beratungskontext bezieht sich eine Boutique-Beratungsfirma jedoch auf ein Unternehmen, das klein ist und seinen Kunden eine begrenzte Anzahl von Nischendiensten anbietet. Es gibt keine bestimmte Definition eines Boutique-Beratungsunternehmens als solches. Trotzdem gibt es bestimmte Merkmale, an denen Sie erkennen können, ob es sich um ein Boutique-Unternehmen handelt oder nicht.
DAS WICHTIGSTE AUF EINEN BLICK
- Eine Boutique-Beratungsfirma hat eine geringere Anzahl von Niederlassungen, stellt eine begrenzte Anzahl von Mitarbeitern ein und bietet in der Regel nur Dienstleistungen in ein bis drei Nischen an.
- Auch wenn sie im Vergleich zu MBB und den Big 4 kleiner sind, bieten sie ihren Mitarbeitern fast das gleiche Gehalt.
- Boutique-Firmen stehen möglicherweise unter dem Druck, mehr Projekte abzuschlieĂen und neue Kunden zu finden, was auch Auswirkungen auf Sie als Berater hat.
- Der berufliche Aufstieg in Boutique-Firmen kann schneller erfolgen, da es keine strenge Hierarchie gibt und der Wettbewerb geringer ist.
- Wenn Sie als Berater fĂŒr eine Boutique-Beratungsfirma arbeiten, können Sie sich auf einen bestimmten Bereich spezialisieren. Dieses Fachwissen kann fĂŒr Ihr kĂŒnftiges Wachstum von Vorteil sein.
- Die Ausstiegsmöglichkeiten sind in Boutique-Firmen nicht so aufregend wie in groĂen Firmen mit etablierten Marken.
Kleinere BĂŒros und begrenzte Niederlassungen: Eine Boutique-Beratungsfirma hat vielleicht nur ein kleines BĂŒro, dafĂŒr aber manchmal sogar zehn bis fĂŒnfzehn Niederlassungen in verschiedenen StĂ€dten oder LĂ€ndern. Aber was macht ein Unternehmen mit fĂŒnfzehn Niederlassungen weltweit klein? Die MBB oder Big 4 verfĂŒgen ĂŒber Tausende von Niederlassungen und prunkvollen BĂŒros in HochhĂ€usern auf der ganzen Welt. Im Vergleich dazu, kann man Boutique-Beratungsunternehmen durchaus als klein bezeichnen.
Dienstleistungen in einem engen Bereich von Nischen: WĂ€hrend Top-Tier-Beratungsunternehmen, die die Mehrheit des Marktanteils besitzen, Dienstleistungen in einer Vielzahl von Nischen anbieten können â von der Strategieberatung bis hin zur digitalen Transformation und allem, was dazwischen liegt -, können sich kleine Beratungsunternehmen dies nicht leisten. Diese Firmen mĂŒssen sich aufgrund kleinerer Budgets und eines bescheidenen Kundenkreises auf eng begrenzte Nischen beschrĂ€nken, zum Beispiel auf die Vermögensverwaltung oder die Risikoberatung.
Kleinere Teams: Auch hier bedeutet âkleinâ nicht unbedingt, dass diese Firmen nur 1â10 Mitarbeiter haben. Die besten Boutique-Beratungsfirmen können bis zu zweihundert Mitarbeiter beschĂ€ftigen, was im Vergleich zu den groĂen Beratungsfirmen, die vielleicht Hunderte von Mitarbeitern in nur einem ihrer vielen GebĂ€ude beschĂ€ftigen, immer noch sehr klein ist. DarĂŒber hinaus ist die Unternehmenskultur in kleineren Beratungsunternehmen oft zwangloser und es gibt keine strenge Hierarchie, wie sie in MBB oder den Big 4 vorherrscht.
Sechs Dinge, die Sie beachten sollten, bevor Sie sich einer Boutique-Beratungsfirma anschlieĂen
Ob eine Boutique-Beratungsfirma das Richtige fĂŒr Sie ist oder nicht, hĂ€ngt letztlich davon ab, was Sie von Ihrer Karriere erwarten. Wir können Ihnen die Entscheidung jedoch ein wenig erleichtern, indem wir einige Punkte erörtern, die Sie vor der Vertragsunterzeichnung beachten sollten:
1. Finanzieller Ausgleich
Es ist ein weit verbreiteter Mythos, dass Boutique-Firmen es sich nicht leisten können, Löhne auf dem Level groĂer Beratungsfirmen zu zahlen. TatsĂ€chlich gibt es verschiedene Arten von Beratungsunternehmen, von welchen viele mehr oder genauso viel, wie die groĂen Unternehmen zahlen. Wenn es also um das Gehalt geht, können Sie in einer Junior-Position in diesen Firmen immer noch 80 000 bis 100 000 Dollar verdienen.
Trotzdem gibt es einen Haken: In der Regel sind kleinere Unternehmen nicht darauf vorbereitet, einen gröĂeren finanziellen Umbruch auf dem Markt zu bewĂ€ltigen. Daher werden in einem solchen Fall möglicherweise harte MaĂnahmen ergriffen, um das Unternehmen finanziell zu entlasten. Dies kann sich bei einer Boutique-Beratungsfirma schneller negativ auf Ihren Job auswirken.
2. Innovation
In groĂen Beratungsunternehmen herrschen starre Strukturen und robuste Prozesse, die sie seit dem Ende des letzten Jahrhunderts im GeschĂ€ft halten. Eine solche, eher veraltete Arbeitsweise, kann oft zur EinschrĂ€nkung von Innovation fĂŒhren. Kleinere Unternehmen hingegen haben mehr Freiheit, kreativ zu sein und bahnbrechende Lösungen zu entwickeln. Wenn Sie also ein kreativer Denker sind und eine unternehmerische Denkweise haben, werden Sie es lieben, diese QualitĂ€ten in einer Boutique-Beratungsfirma einzubringen. Da es hier keine strenge Hierarchie gibt, wird es Ihnen auĂerdem leichter fallen, innovative Lösungen vorzuschlagen und umzusetzen.
3. Beruflicher Aufstieg
In groĂen Beratungsunternehmen kann es sein, dass Sie oft jahrelang warten mĂŒssen, bis Sie endlich in eine höhere Position befördert werden. Im Gegensatz dazu können Ihnen Boutique-Beratungsfirmen schon frĂŒh in Ihrer Karriere mehr Verantwortung ĂŒbertragen, vorausgesetzt, Sie sind qualifiziert und motiviert genug, diese zu ĂŒbernehmen. Da die Teams kleiner sind, werden Sie wahrscheinlich tĂ€glich direkt mit Kunden und erfahreneren Beratern zusammenarbeiten.
4. Spezialisierung vs. Generalisierung
Da Boutique-Consulting-Firmen Dienstleistungen in begrenzten Bereichen anbieten, haben Sie die Möglichkeit, in einem Bereich wirklich gut zu werden. Das kann oft besser sein, als ein Generalist zu sein. NatĂŒrlich bedeutet das nicht, dass Sie bei groĂen Beratungsunternehmen nichts lernen können. GröĂere Beratungsunternehmen bieten in der Regel ein breites Spektrum an Dienstleistungen an. Auch wenn Sie in diesen Firmen wahrscheinlich kein bestimmtes Fachgebiet beherrschen werden, werden Sie doch viel ĂŒber die verschiedenen BeratungsspezialitĂ€ten lernen.
Daraufhin haben Sie immer noch die Möglichkeit, den Bereich zu wÀhlen, der Ihnen am meisten zusagt. Wenn Sie zum Beispiel herausfinden, dass Betriebsmanagement Ihre StÀrke ist, können Sie spÀter in Ihrer Karriere freiberufliche Dienstleistungen in dieser Nische anbieten. Kurz gesagt: Egal, ob Sie in einer Boutique-Firma oder einem MBB arbeiten, Sie werden viele praktische FÀhigkeiten und Erfahrungen mitnehmen.
5. Work-Life-Balance
Die Annahme, dass die Arbeit in einer Boutique-Beratungsfirma viel Freizeit und flexible Arbeitszeiten bedeutet, ist leider falsch. TatsĂ€chlich mĂŒssen Sie in jeder Beratungsfirma, unabhĂ€ngig von deren GröĂe, das gleiche Arbeitspensum leisten. Manchmal stehen Boutique-Firmen sogar noch mehr unter dem Druck, bestehende Kunden zu halten oder den Projektumfang zu erhöhen, um weiterarbeiten zu können, als groĂe Firmen.
Aus diesem Grund, wird von Ihnen als Berater des Ăfteren erwartet, dass Sie die Extrameile gehen. Jede Boutique-Firma ist jedoch anders und sicher gibt es auch solche mit einer ausgewogenen Work-Life-Balance und einer positiven Arbeitsplatzkultur.
6. Ausstiegsmöglichkeiten
Dies ist vielleicht der gröĂte Nachteil der Arbeit mit einer Boutique-Beratungsfirma. Nachdem Sie schon nur vier bis fĂŒnf Jahre bei McKinsey oder BCG gearbeitet haben, erhalten Sie z. B. mit dem Titel âEx-McKinseyâ sofort Respekt von Kunden und Beratern. Eine Boutique-Beratungsfirma dagegen besitzt meist keinen so groĂen Markennamen und muss sich eine eigene Marke erst aufbauen. Folglich lĂ€sst sich sagen, dass die Ausstiegsmöglichkeiten fĂŒr Berater groĂer Firmen deutlich besser sind, als fĂŒr diejenigen, die ânurâ fĂŒr Boutique-Beratungsunternehmen gearbeitet haben.
Hoffentlich helfen diese Punkte Ihnen bei der Entscheidung, sich einer Boutique-Beratungsfirma anzuschlieĂen oder doch den Versuch bei MBB oder anderen Top-Firmen zu starten. Vergessen Sie nicht, dass Sie mit der richtigen Motivation und Ausbildung auch in einer Boutique-Beratungsfirma eine sehr erfolgreiche Beraterkarriere haben können. Ăberdies ist es auch nach der Arbeit in einem kleineren Unternehmen noch möglich, fĂŒr ein groĂes Beratungsunternehmen zu arbeiten. Dennoch mĂŒssen Sie bedenken, dass Sie in diesem Fall möglicherweise eine Stelle auf demselben oder einem niedrigeren Niveau erhalten werden. Viel GlĂŒck bei der Entscheidungsfindung!
