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Trends in der Beratungsbranche: Auswirkungen der Digitalisierung

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Veröffentlicht am:
August 24, 2021
Lesezeit:
2 minutes
consultport-author
Lynn
Lynns vielfĂ€ltige Perspektiven auf die GeschĂ€ftswelt resultieren aus ihrer umfangreichen Erfahrung als Unternehmensberaterin - ihre Rolle als geliebte Ehefrau, Mutter und Großmutter vertieft ihre Einsichten noch weiter.

Die digitale Transformation trÀgt schon lange nicht mehr nur dazu bei, Berater ihren Kunden nahezubringen, sondern verÀndert vielmehr auch die Beratungsdienste selbst.

So besteht das wichtigste Kapital professioneller Dienstleistungen beispielsweise aus neuem Talent. Der zunehmende Trend in der Beratungsbranche jedoch, geht mehr und mehr in die Richtung, Talente eher auszulagern und sich stattdessen auf Online-Beratungsplattformen zu konzentrieren. Werden Beratungsunternehmen der Zukunft also keine festen Angestellten mehr haben?

Ein kĂŒrzlich erschienener Text mit dem Titel „Professional Services on the Brink of Disruption" des Softwareunternehmens SAP wirft einige interessante Fragen auf und zeichnet ein Bild davon, wie die Branche in der Zukunft umgestaltet werden sollte. Der Text ist interessant fĂŒr jegliche Berater, ob in großen Firmen oder als Freelancer arbeitend.

Hauptbereiche, die von der Digitalisierung betroffen sind

Das traditionelle Dienstleistungsmodell fĂŒr Beratung besteht darin, Kunden hoch qualifizierte Fachleute zur VerfĂŒgung zu stellen. Honorare sind zeitabhĂ€ngig und Gewinne werden aus der Differenz dieser Honorare und den GehĂ€ltern und Gemeinkosten erzielt. Auch gibt es eine lineare Korrelation zwischen dem Unternehmenswachstum und der Mitarbeiterzahl.

Der Trend in der Beratungsbranche scheint sich jedoch zu Àndern. Honorare werden zunehmend ergebnisorientierter und unabhÀngige Freiberufler und Beratungsplattformen beginnen damit, erforderliche Kompetenzen, ohne Zunahme der BeschÀftigtenzahl, bereitzustellen.

Laut SAP sind die vier Kernfelder, welche von der Digitalisierung im Dienstleistungssektor betroffen sein werden:

  • Expertise: Anstelle einer persönlichen Kundenbetreuung als primĂ€re Methode werden Berater ihr Wissen und ihre Erfahrungen mehr und mehr digitalisieren und auf Nutzungs- oder Ergebnisbasis zur VerfĂŒgung stellen. Knowledge-as-a-Service wird zum neuen Produkt.
  • Talent: Beratungsunternehmen werden Dienstleistungen vermehrt von externen Talent-Netzwerken beziehen und diese, bei der Erstellung von Kundenlösungen, integrieren
  • AusfĂŒhrung der Dienstleistung: Technologien werden Dienste, welche zuvor personalintensiv waren, zunehmend automatisieren und skalieren. Dies wird auch zu neuen Lösungen fĂŒhren, welche bisher nicht verfĂŒgbar waren.
  • Kundenbindung: Die Kundenakquise und die Transaktionen mit Kunden wird automatisierter und ĂŒber Selbstbedienungsmethoden erfolgen.

Die digitale Transformation fĂŒhrt zu einer Machtverlagerung zugunsten des Kunden. Es werden sich also nicht nur Beratungsmodelle Ă€ndern. Auch GeschĂ€ftsprozesse mĂŒssen agil sein, auf BedĂŒrfnisse der Kunden reagieren und dabei auf die Einbettung geistigen Eigentums in den automatisierten Service achten.

Das KrĂ€ftegleichgewicht verschiebt sich außerdem zugunsten unabhĂ€ngiger Berater. Etablierte Unternehmen mĂŒssen von einer VerĂ€nderung des Marktes durch neue Marktteilnehmer, mit neuen FĂ€higkeiten ausgehen, da digitale Dienstleistungen die EinstiegshĂŒrde senken.

„Bis 2025 können Online-Talentplattformen das globale BIP um 2,7 Billionen Dollar steigern.” McKinsey Global Institute
Werden Dienstleistungsunternehmen automatisiert werden?

Seit Jahren schon ist Automatisierung und das daraus folgende Ersetzen von Routine-Jobs durch Maschinen, ein großes Thema. Nun jedoch verlagert sich der Schwerpunkt auf qualifizierte ArbeitskrĂ€fte.

Bereits 2013 prognostizierte McKinsey, dass Algorithmen 140 Millionen Experten verdrĂ€ngen wĂŒrden. Aktuelle Prognosen gehen davon aus, dass 94 % der Buchhalter und WirtschaftsprĂŒfer, 66 % der Juristen und sogar die HĂ€lfte der Computerprogrammierer ersetzt werden könnten. Ein weiterer Bereich, der potenziell betroffen werden könnte, ist der Kundendienst. Es gibt nur wenige Menschen, welche noch nie mit Apples Siri oder einem Online-Kundendienst-Bot gesprochen haben. Auch wird deutlich, dass Maschinen zukĂŒnftig die Erstellung von Rechtsdokumenten, Markt- und AktionĂ€rsberichten ĂŒbernehmen werden.

Im Bereich der Rechtsdienstleistungen vollzieht sich der digitale Wandel rasch. So wird beispielsweise die Erstellung von Dokumenten und ArbeitsablĂ€ufen mehr und mehr automatisiert. Ein Ziel besteht daraus, Vorlagen fĂŒr VertrĂ€ge und Vereinbarungen fĂŒr Kunden leichter verfĂŒgbar zu machen. KĂŒnstliche Intelligenz ist außerdem in der Lage, sich wiederholende Aufgaben in großem Umfang zu ĂŒbernehmen. Eine US-amerikanische Anwaltskanzlei berichtet beispielsweise, wie ihr autonomer Anwalts-Roboter mehr als 250.000 Strafzettel anfocht und 64 % davon gewann. Aufgrund dieser VerĂ€nderungen, sollten AnwĂ€lte sich Gedanken darĂŒber machen, wie Sie in der Zukunft Wert kreieren möchten und wie automatisiertes Material monetarisiert werden kann.

In der Unternehmensberatungsbranche sind vor allem ArbeitsplĂ€tze auf der Einstiegsebene gefĂ€hrdet. Das alte GeschĂ€ftsmodell, in welchem Seniorpartner GeschĂ€fte aushandeln und mit FĂŒhrungskrĂ€ften kommunizieren, wĂ€hrend Juniorpartner die Arbeit ausfĂŒhren, ist vorbei. In der Regel implementieren Juniorpartner die, vom Unternehmen entwickelten Lösungen und lernen das GeschĂ€ft auf Kosten der Kunden kennen. Heutzutage kann alles kodifizierbare, automatisiert und den Kunden als Alternative zu persönlichen GesprĂ€chen angeboten werden.

Eine große Gefahr fĂŒr Beratungsunternehmen besteht in der freien VerfĂŒgbarkeit von Fachwissen im Internet. Beratungsunternehmen begegnen dieser Gefahr mithilfe von Software- und Technologie basierten Analysen und Werkzeugen, welche die Kunden auf Selbstbedienungsbasis nutzen können. Um langfristige Kundenbeziehungen aufrechtzuerhalten, werden diese oft in die kundeneigenen Systeme eingebettet (Ă€hnlich wie die GeschĂ€ftsmodelle von Microsoft und Apple). Diese Art der digitalen Bereitstellung ist kostengĂŒnstiger und skalierbarer als herkömmliche AnsĂ€tze.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass dieser Trend in der Beratungsbranche persönliche Beratung ĂŒberflĂŒssig machen wird. Im Gegenteil, die Nachfrage an strategischen und wertebasierten Lösungen wird trotzdem weiter steigen. Allerdings wird es sich dabei um maßgeschneiderte Lösungen fĂŒr komplexe Probleme handeln, welche die Berater rechtfertigen und durchsetzen werden mĂŒssen.

Die Digitalisierung von Talenten

LinkedIn ist ein hervorragendes Beispiel dafĂŒr, wie Talentfindung digitalisiert wird.

Es handelt sich dabei um ein professionelles Netzwerk mit fast 750 Millionen Mitgliedern und ĂŒber 55 Millionen registrierten Unternehmen, in mehr als 200 LĂ€ndern. Die Plattform ist aus der Personalbeschaffung nicht mehr wegzudenken und alleine in den USA hat sich, im Jahr 2020, die Zahl der Stellenausschreibungen versechsfacht.

Eine interessante Statistik besagt, dass LinkedIn bei der Generierung von Leads fast 300 % effektiver als Facebook oder Twitter ist. Laut dem Edelman Trust Barometer ist LinkedIn die vertrauenswĂŒrdigste Quelle bezogen auf Inhalte. Es wird daher von Content-Vermarktern hĂ€ufig fĂŒr B2B-Marketing und Lead-Generierung genutzt.

Mit der Zeit wurde LinkedIn außerdem um einige neuen Technologien erweitert. Ein Beispiel ist der Kalender-Chatbot, welcher Unterhaltungen zwischen Mitgliedern in verschiedenen Zeitzonen erleichtert. Des Weiteren bieten KI intelligente Antworten und AntwortvorschlĂ€ge und eine InMail-Funktion unterstĂŒtzt Chats. Hashtags in Kommentaren werden fĂŒr eine einfache Nachverfolgung indiziert und LinkedIn Video unterstĂŒtzt die wachsende PopularitĂ€t der PrĂ€sentation von GeschĂ€ftsinformationen im Videoformat.

Auch Upwork Ă€nderte vor kurzem seinen Namen und aktualisierte seine Dienste, mit dem Ziel, seine Rolle als Marktplatz fĂŒr Arbeit noch besser zu reflektieren. Dies kann als Reaktion auf die sich stetig wandelnden BedĂŒrfnisse der Unternehmen und insbesondere auf den zunehmenden Einsatz von Freiberuflern, verstanden werden. Es zeigt die Möglichkeiten und FĂŒlle an Arbeit auf, welche denjenigen zur VerfĂŒgung stehen, die zeitliche und rĂ€umliche FlexibilitĂ€t anstelle von starren ArbeitsvertrĂ€gen wĂŒnschen. Upwork hat derzeit einen Kundenstamm, der 30 % aller Fortune-500-Unternehmen umfasst, welche zunehmend externe Ressourcen in ihre Einstellungs-PlĂ€ne miteinbeziehen.

Einige Plattformen sind stĂ€rker spezialisiert. Consultport beispielsweise, bietet vorab geprĂŒfte Unternehmensberater und Digital-Experten, zusammen mit einer Kombination aus automatisierten und personengesteuerten Verwaltungs-, QualitĂ€tsmanagement- und Zahlungsdiensten.

Es ist klar erkennbar, wie Rekrutierungsstrategien sich mehr und mehr Àndern und Online-Beratungsplattformen zunehmend zur Haupt-Talentquelle werden. Man kann sie als wesentlichen Bestandteil der digitalen Transformation im Dienstleistungsbereich bezeichnen.

Welche Änderungen mĂŒssen unabhĂ€ngige Berater vornehmen?

Oft liest man ĂŒber Trends in der Beratungsbranche, ohne sich dabei die Bedeutung fĂŒr das eigene Unternehmen deutlich zu machen, egal ob es sich um Ein-Personen-Start-ups oder etablierte Unternehmen, mit zahlreichen Mitarbeitern, handelt.

Die oben bereits zitierte SAP-Liste enthÀlt einige wichtige Punkte. Berater sollten sich mit den folgenden Fragen auseinandersetzen:

  • Digitalisierung von Fachwissen: Wodurch unterscheidet sich unser Dienstleistungsangebot von anderen auf dem Markt? Gibt es Aspekte, die digitalisiert werden und den Kunden dann als Selbstbedienungs-Modell angeboten werden könnten? Wo ist die persönliche Interaktion besonders wertvoll und wie können wir dies angemessen vermarkten?
  • Digitalisierung von Talenten: Wie gut haben wir unsere Profile auf den, uns zur VerfĂŒgung stehenden Online-Beratungsplattformen, eingerichtet? BerĂŒcksichtigen wir Möglichkeiten, wie unsere FĂ€higkeiten und unser Fachwissen in anderen Bereichen ergĂ€nzend wirken können, sodass Kunden und Personalvermittlern ein umfassenderer Service geboten werden kann? Sind wir ausreichend vernetzt?
  • Digitalisierung der Leistungserbringung: Wie können wir mit weniger Aufwand mehr erreichen? Können wir zum Beispiel Datenanalyse-Tools einsetzen, um unsere Unternehmensbewertungen zu beschleunigen und mehr Zeit fĂŒr die Analyse des Mehrwerts zu verwenden? Nehmen wir als Beispiel mein eigenes Beratungsunternehmen: Hier wurde eine Menge Zeit und Geld investiert, um die Ergebnisse psychometrischer Beurteilungen zu automatisieren und in standardisierte Berichte zu integrieren. Das Ergebnis war erfreulich, da Ergebnisse sofort genutzt werden konnten, um Kunden strategische Auswahl- und Entwicklungsempfehlungen zu geben. Außerdem konnten somit Projekte mit Hunderten von Teilnehmern ĂŒbernommen werden, ohne durch manuelle Auswertung und Berichterstellung eingeschrĂ€nkt zu sein.
  • Digitalisierung der Kundenansprache: Kunden informieren sich online ĂŒber Produkte und Dienstleistungen, bevor sie Kaufentscheidungen treffen oder Angebote fĂŒr ihre Projekte einholen. Wie effektiv ist also unsere Online-PrĂ€senz? Dazu gehört die Bereitstellung von Publikationen, Blogs und Videos, welche Vordenkerrolle und GroßzĂŒgigkeit beim Wissensaustausch demonstrieren. Sie können komplexere Systeme in Betracht ziehen, um zu verfolgen, was die Kunden lesen, um die Reihenfolge der Zugriffe zu steuern und personalisierte Inhalte zu prĂ€sentieren.

Nehmen wir an, dass Arbeit, welche traditionell Juniorberater leisten, zunehmend Teil einer digitalisierten Dienstleistung sein wird. Wie sieht dann der Weg fĂŒr junge Hochschulabsolventen und Ă€ltere Menschen aus, welche in die Freiberuflichkeit einsteigen möchten? Unseres Erachtens wird sich in diesem Punkt nicht sehr viel Ă€ndern. Große Unternehmen sollten nach wie vor ihre FachkrĂ€ftebasis ausbauen und einen Langzeitplan fĂŒhren. Sie werden dann lediglich nicht mehr so viele Festanstellungen tĂ€tigen mĂŒssen. Stattdessen werden sie online nach den besten Kandidaten fĂŒr die verschiedenen Projekte suchen und immer wieder auf diejenigen zurĂŒckgreifen, welche ihre Methoden gelernt und gute Leistungen erbracht haben. Es ist wahrscheinlich, dass sich eine neue Art der Fernbetreuung entwickeln wird.

Hochschulabsolventen und neue Berater werden weiterhin lernen und erfolgreich sein, vorausgesetzt, sie nutzen Ressourcen wie Online-Beratungsplattformen und suchen nach Möglichkeiten, mit anderen an großen Projekten zusammenzuarbeiten. Networking wird zu einer noch wesentlicheren FĂ€higkeit werden.



Die digitale Transformation öffnet die Welt fĂŒr Berater

Einer der aufregendsten Aspekte des Trends, Talente outzusourcen, ist die Chance, die sich daraus fĂŒr alle ergibt.

Die Digitalisierungstransformation etablierter Beratungsunternehmen wird neue Technologien in die Systeme von Kunden einbetten und diese, weit ĂŒber das bisher Mögliche hinaus, einbinden. Online-Beratungsplattformen sind selbst Teil des Digitalisierungsprozesses und öffnen die Welt fĂŒr unabhĂ€ngige Berater.

Jeder wird sein Wertangebot ĂŒberdenken und sich neu orientieren mĂŒssen, um sein Fachwissen zu digitalisieren und zu vermarkten. Dies jedoch eröffnet auch jedem eine verbesserte Chance auf Erfolg!