Wie die Technology Adoption Kurve Ihnen bei der EinfĂŒhrung neuer Technologien hilft
Die EinfĂŒhrung neuer Technologien ging noch nie so schnell.
Die GrundsÀtze der Technology Adoption Kurve sind zwar dieselben wie in der Vergangenheit, unsere heutige Situation ist jedoch eine andere.
Wenn Sie in der Innovationsberatung tĂ€tig sind, kennen Sie die Herausforderungen, die sich selbst bei der Umsetzung der besten Ideen bei Kunden ergeben. Trotzdem ist es, unter BerĂŒcksichtigung der heutigen Pandemie hilfreich, noch einmal einen Blick auf diese zu werfen.
Laut einer Studie von McKinsey hat âCovid-19 die Unternehmen ĂŒber den technologischen Wendepunkt gebracht und deren GeschĂ€ft fĂŒr immer verĂ€ndert."
Dies hat erhebliche Auswirkungen auf Management- und Digitalberater und insbesondere auf Innovationsberater.
Die Geschwindigkeit der EinfĂŒhrung ist auĂerordentlich hoch
Die Geschwindigkeit, mit der Unternehmen als Reaktion auf die Pandemie Ănderungen vorgenommen haben, ist bemerkenswert.
Im Folgenden drei davon, bei welchen die tatsĂ€chliche Dauer gegenĂŒber der erwarteten Dauer bis zur Umsetzung angegeben wurde:
Tabelle 1: Zeitaufwand fĂŒr die Reaktion auf oder die Umsetzung von Ănderungen - erwartet vs. tatsĂ€chlich
| erwartet (Tage) | tatsÀchlich (Tage) | Beschleunigungsfaktor | |
|---|---|---|---|
| Zunahme der Remote-Arbeit und/oder Zusammenarbeit | 454 | 10,5 | 43 |
| Zunehmender Einsatz fortschrittlicher Technologien in UnternehmensaktivitÀten | 672 | 26,5 | 25 |
| Zunehmender Einsatz fortschrittlicher Technologien bei der Entscheidungsfindung | 636 | 25,4 | 25 |
Die erste Statistik â der zunehmende Einsatz von Heimarbeit â ist ein guter Indikator fĂŒr Berater, die als Freiberufler arbeiten oder Online-Beratungsplattformen nutzen. Die Chancen, online gefunden und beauftragt zu werden, sind deutlich besser als noch vor einem Jahr.
Der Beschleunigungsfaktor ist bemerkenswert. Die Unternehmen haben Ănderungen 43 Mal schneller umgesetzt als erwartet.
Genauso ĂŒberraschend ist die EinfĂŒhrung neuer Technologien in den Betrieb und die Entscheidungsfindung. Was frĂŒher fast zwei Jahre gedauert hat, wird heute in weniger als einem Monat umgesetzt.
Was bedeutet das fĂŒr die Innovationsberatung?
Die offensichtliche Schlussfolgerung ist, dass wirtschaftliche ZwĂ€nge und das Ăberleben des Unternehmens die EinfĂŒhrung neuer Technologien massiv vorantreiben.
Eine zweite Schlussfolgerung ist, dass die Technologie dem GeschĂ€ftsbedarf entsprechen muss. Dies ist der Grund, warum wir die TechnologieeinfĂŒhrung fĂŒr den E-Commerce und die Logistik, sowie die schnelle Umstellung auf Online-Meeting- Tools wie Zoom, Google Meet und Microsoft Teams, beobachten konnten.
Es bleibt abzuwarten, ob die Geschwindigkeit der EinfĂŒhrung im derzeitigen Tempo anhĂ€lt oder nicht. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass wir zu dem alten, langsamen Tempo zurĂŒckkehren werden. Berater sollten also die von ihnen verwendeten Methoden ĂŒberdenken.
Ein gutes Beispiel sind agilen Sprints. Zerlegen Sie das Projekt in kleine Teilaufgaben und liefern Sie alle ein bis zwei Monate ein einsatzfĂ€higes Produkt. Dadurch werden Sie gemeinsam auf das âEndergebnis" hinarbeiten, aber Unternehmen mĂŒssen nicht auf dieses ferne Ergebnis warten.
Ăberdies sollten sich Berater auch der âmenschlichen" Seite der Technologieimplementierung stĂ€rker bewusst sein. Dazu gehört auch, darauf zu achten, was die Technology Adoption Kurve beschreibt.
Beginnen wir mit einigen Definitionen.
Technology Adoption
Unter Technology Adoption versteht man die Akzeptanz, Integration und Nutzung einer neuen Technologie in einem bestimmten Umfeld.
FĂŒr Berater bedeutet dies einen systematischen Ansatz zur Implementierung in einer Organisation oder einem Teil einer Organisation.
Zu den typischen Schritten gehören:
- Auswahl einer Technologie zur Lösung eines bestimmten GeschÀftsproblems.
- Planung der Umsetzung unter BerĂŒcksichtigung von Infrastruktur, Personal und Prozessen.
- Kommunikation der Ănderung.
- Training, sowohl vor als auch nach dem Start.
- Test und Einsatz, vorzugsweise mit einer Kontrollgruppe, um die Benutzerfreundlichkeit und FunktionalitĂ€t zu prĂŒfen.
- Ausweitung in dem Unternehmen.
- Ăberwachung und Nutzung von Tracking-Tools, um Probleme schnell zu erkennen und zu beheben.
Die Technology Adoption Kurve
Die Technology Adoption Kurve beschreibt die Merkmale der Adopter in jeder Phase der EinfĂŒhrung neuer Technologien. Dies wird auch als die demografischen und psychologischen Merkmale der Adoptierenden bezeichnet.
Die Merkmale wurden erstmals 1962 von Everett Rogers in seinem Buch âDiffusion of Innovations" beschrieben, in welchem er erklĂ€rte, wie, warum und in welchem Tempo sich neue Ideen und Technologien verbreiten.
Adopter werden nach ihrer InnovationsfĂ€higkeit charakterisiert, d. h. nach dem Grad, in dem eine Person eine neue Idee ĂŒbernimmt.
- Innovatoren
- Early Adopters
- FrĂŒhe Mehrheit
- SpÀte Mehrheit
- NachzĂŒgler
Ein entscheidendes Element der Innovationsberatung besteht daraus, herauszufinden, wo die wichtigsten Kontaktpersonen in der Technology Adoption Kurve stehen.
Rogers ging jedoch ĂŒber eine bloĂe Beschreibung der Adopter hinaus.
Er bot auch die wichtigsten Elemente an, die die Verbreitung einer neuen Idee beeinflussen:
- Die Innovation selbst.
- KommunikationskanÀle.
- Zeit.
- Ein Gesellschaftssystem.
Wer in der Innovationsberatung tĂ€tig ist, sollte beide Listen berĂŒcksichtigen. Damit eine Innovation nachhaltig ist, muss es eine kritische Masse an breiter Akzeptanz geben. Dies hĂ€ngt jedoch davon ab, ob die EinfĂŒhrung neuer Technologien selbst einem echten GeschĂ€ftsbedarf entspricht und wirksam kommuniziert wird oder nicht.
FrĂŒher brauchte es eine gewisse Zeit, um die Akzeptanz zu erhöhen. Die Pandemie hat gezeigt, dass dies ein Irrtum sein kann und sich Unternehmen je nach Dringlichkeit des Bedarfs Ă€ndern werden.
Die Rolle von Adopter-Kategorien in der Technologieinnovation
Werfen wir einen genaueren Blick auf die fĂŒnf Adopter-Kategorien und betrachten deren Auswirkungen auf die Innovationsberatung.
Der prozentuale Anteil der Personen in jeder Kategorie gemÀà der Glockenkurve von Rogers ist unten dargestellt.
Es ist wichtig festzustellen, dass die Menschen, die den technologischen Wandel wahrscheinlich schnell annehmen werden â die Innovatoren und Early Adopters â nur 16 Prozent der zu ĂŒberzeugenden Personen ausmachen.
Ăberdies ist es wichtig zu erkennen, dass Menschen eine neue Innovation in ihrem Privatleben akzeptieren können, z. B. ein Upgrade fĂŒr Smartphones, sich aber gegen die EinfĂŒhrung neuer Technologien am Arbeitsplatz wehren.
1. Innovatoren
Innovatoren (2,5 % der Gruppe) sind die ersten, die neue Innovationen ausprobieren und neigen dazu, das damit verbundene Risiko zu genieĂen. AuĂerdem sind Sie bereit, RĂŒckschlĂ€ge in Kauf zu nehmen, wenn sich neue Ideen als erfolglos erweisen. Sie können AuĂenseiter sein und auĂerhalb der ĂŒblichen sozialen oder beruflichen Gruppierungen stehen.
2. Early Adopters
Early Adopters (13,5 %) sind stĂ€rker in das soziale System integriert und neigen dazu, MeinungsfĂŒhrer in ihrem sozialen oder beruflichen Umfeld zu sein. Die Menschen suchen ihren Rat und Informationen ĂŒber eine Innovation.
Dies ist eine wichtige Gruppe fĂŒr Berater und Change Agenten. DemgemÀà sollten Sie aktiv nach Early Adoptern suchen, die sie bei der EinfĂŒhrung neuer Technologien unterstĂŒtzen.
HĂ€ufig befinden diese sich in leitenden Positionen der Unternehmenshierarchie oder sind gerade dabei, sich einen Namen zu machen.
3. FrĂŒhe Mehrheit
Adopter der frĂŒhen Mehrheit (34Â %) ĂŒbernehmen neue Ideen noch vor dem Durchschnittsmitglied. Sie haben in der Regel keine FĂŒhrungsposition inne, obwohl sie freiwillig folgen. Sie interagieren mit ihren Kollegen und geben so Informationen ĂŒber Innovationen weiter.
In der Regel handelt es sich dabei um FĂŒhrungskrĂ€fte der mittleren und unteren Ebene, die abwarten, wie sich eine neue Technologie oder ein neues Verfahren bewĂ€hrt und ob es von den höheren Ebenen angenommen wird.
4. SpÀte Mehrheit
Mitglieder der spĂ€ten Mehrheit (34 %) sind eher skeptisch. Ihre Akzeptanz kann nur auf wirtschaftliche Notwendigkeiten oder zunehmenden sozialen Druck zurĂŒckzufĂŒhren sein. Sie sind vorsichtig, risikoscheu und zögern, eine Neuerung zu ĂŒbernehmen, bis die meisten in ihrem sozialen System dies getan haben. Selbst wenn sie den Nutzen der Innovation kennen, mĂŒssen sie unter starkem Druck Ihres Umfelds stehen, um diese zu ĂŒbernehmen.
Bei den spÀten Adopters handelt es sich oft um Àltere Mitarbeiter oder solche, die schon lange im Unternehmen sind.
5. NachzĂŒgler
NachzĂŒgler (16 %) sind Traditionalisten und die Letzten, welche eine Innovation annehmen. Sie konzentrieren sich auf die Vergangenheit und wollen, dass Entscheidungen im Einklang mit Ă€lteren Generationen getroffen werden. Sie sind Innovatoren und Change Agenten gegenĂŒber ebenso misstrauisch wie gegenĂŒber der EinfĂŒhrung neuer Technologien selbst. Bis sie eine Innovation akzeptieren, ist diese oft schon veraltet und durch etwas Neueres ersetzt.
AuĂerdem sind sie in der Regel Ă€lter und nutzen neue Technologien nur dann, wenn es keine andere Möglichkeit gibt, ihre Arbeit zu erledigen oder wenn sie dazu gezwungen werden.
Wenn die VerteilungshĂ€ufigkeit zutrifft, sollten Sie sich darĂŒber im Klaren sein, dass mindestens 50 % Ihrer Zielgruppe sich aktiv gegen die von Ihnen eingefĂŒhrte Technologie wehren könnte.
An dieser Stelle können Sie eine interessante Theorie zur Kenntnis nehmen, die von Geoffrey Moore in seinem Buch âCrossing the Chasmâ aufgefĂŒhrt ist.
Nach Moore gibt es eine kritische Phase in der Technology Adoption Kurve. In dieser Phase wird die neue Technologie zwar von den Early Adopters genutzt, aber noch nicht von der frĂŒhen Mehrheit.
Zwischen diesen Gruppen besteht eine groĂe âKluft" im Denken. Innovationsprojekte neigen zum Scheitern, wenn sie diese Kluft nicht ĂŒberbrĂŒcken können und die frĂŒhe Mehrheit die Ideen nicht aufgreift.
Ihr Hauptansprechpartner oder Projektleiter kann begeistert sein (ein Innovator), genauso wie das obere Managementteam (Early Adopters). Die breite Masse wehrt sich jedoch noch gegen die EinfĂŒhrung neuer Technologien.
Sie möchten keine Innovation, sondern vertrauen in Altbekanntes.
Folglich besteht die Herausforderung fĂŒr Berater darin, diese frĂŒhe Mehrheit zu erreichen. Seien Sie sich als Berater bewusst, dass die Gruppe fĂŒr nĂŒtzliche Lösungen offen ist und nach Modeerscheinungen und Hypes Ausschau hĂ€lt.
Diese Phase der Kurve ist besonders heikel fĂŒr die Umsetzung von Innovationen, da sie hĂ€ufig mit dem zusammenfĂ€llt, was manche als âTal der EnttĂ€uschung" bezeichnen:
- Experimente und Implementierungen halten nicht, was sie versprechen.
- Das Interesse, selbst von Enthusiasten, beginnt zu schwinden.
- Berater, Change Agenten und Projektmanager ziehen sich zurĂŒck oder versagen.
- Die Investitionen in das Projekt werden nur dann fortgesetzt, wenn die ĂŒberlebenden Treiber ihre Produkte zur Zufriedenheit der Early Adopters verbessern.
Ein individueller Ansatz fĂŒr die Benutzer- und Produktakzeptanz eines neuen Produkts wird sich auszahlen.
Zusammenfassung
Die Technology Adoption Kurve ist ein soziologisches Modell, das die Merkmale der Mitarbeiter beschreibt, die auf die EinfĂŒhrung neuer Technologien reagieren werden.
Das VerstÀndnis dieser definierten Adoptionsgruppen und die Anpassung des Adoptionsprozesses an diese können den Unterschied zwischen erfolgreicher Innovationsberatung und Misserfolg ausmachen.
Die EinfĂŒhrung von Technologien hat sich als Reaktion auf die Covid-Pandemie beschleunigt und Innovationsberater mĂŒssen ihre Methoden an diese Geschwindigkeit anpassen.
Das VerstĂ€ndnis dafĂŒr, wie Menschen auf die EinfĂŒhrung von Technologien reagieren, ist jedoch nach wie vor eine wesentliche Voraussetzung fĂŒr eine erfolgreiche Implementierung.
