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Wie das Coronavirus die Beratungsbranche verÀndert

Blog Kategorie:
Veröffentlicht am:
November 27, 2020
Lesezeit:
7 minutes
consultport-author
Lynn Hunt
Lynns umfangreiche Erfahrung als Unternehmensberaterin ermöglicht ihr vielfĂ€ltige Perspektiven auf die GeschĂ€ftswelt. Ihre Rolle als Mutter, Ehefrau und Großmutter vertiefen ihre Einsichten weiter.

Die COVID-19-Pandemie hatte verheerende Auswirkungen auf globale AktienmĂ€rkte. Bis Juni 2020 verloren die Unternehmen an der New Yorker Börse und der NASDAQ fast 20 % ihres Marktwertes. Die Folgen betrafen jedoch nicht alle gleich. Laut einer BCG-Analyse, schnitten technologieorientierte Unternehmen und im Allgemeinen Firmen, die seit 2000 gegrĂŒndet wurden, um 27 Prozentpunkte besser ab als der ĂŒbrige Aktienmarkt.

Welche Lehren können daraus gezogen werden? Wie wirken sie sich auf die Beratungsbranche und insbesondere auf freiberufliche Berater aus?

Der Einfluss des Coronavirus auf Beratungsprojekte

Es wird erwartet, dass die Folgen fĂŒr die Beratungsbranche mit den Entwicklungen im Aktienmarkt korrelieren. Forscher von Source Global Research sagten einen RĂŒckgang des globalen Beratungsmarktes um 19 %, von 160 Milliarden Dollar im Jahr 2019, auf 130 Milliarden Dollar im Jahr 2020, vorher. Dieser RĂŒckgang resultiert daraus, dass Ă€rmere Volkswirtschaften in eine Rezession gedrĂ€ngt werden und Beratungsprojekte verzögert, in ihrem Umfang reduziert oder ganz gestrichen werden.

Nach geografischer Region

Die signifikanteste Reduktion wird mit 28 % fĂŒr Europa vorhergesagt. Dies ist in erster Linie auf Unterbrechungen in der Lieferkette bei deutschen Herstellern, einer weiteren Verlangsamung von Prozessen in Großbritannien, als Folge des Brexits und auf die strikten Lockdowns in Italien, zurĂŒckzufĂŒhren. FĂŒr den asiatisch-pazifischen Raum wird, mit etwa 12 %, die geringste Stagnation und auch die schnellste Erholung erwartet.

In Nordamerika findet sich der weltweit grĂ¶ĂŸte Beratungsmarkt, welcher sich traditionell recht schnell an VerĂ€nderungen anpasst. Trotz eines erwarteten UmsatzrĂŒckgangs von 15 %, wird deshalb auch hier mit einer relativ schnellen Erholung des Marktes gerechnet.

Nach Branche

Es gibt Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen. Einige ĂŒberstehen die Pandemie deutlich besser als andere. Dies wird auch Auswirkungen auf die Berater haben, die die jeweiligen Branchen bedienen. Laut dem Bericht von Source Global Research wird der höchste UmsatzrĂŒckgang fĂŒr Berater im Bereich der Unternehmensdienstleistungen, mit etwa 27 % erwartet. Mit dem geringsten UmsatzrĂŒckgang dagegen wird in der Pharmaindustrie gerechnet.

Der dramatische Einbruch der Einnahmen in der Fluglinien- und Freizeitindustrie hat die Dienstleistungen erheblich beeintrĂ€chtigt. ReisebeschrĂ€nkungen werden fĂŒr den Energie- und Ressourcensektor zu erheblichen Umsatzeinbußen fĂŒhren. Der Gesundheitssektor konzentrierte sich darauf, Ressourcen fĂŒr die Behandlung des Virus, anstatt fĂŒr Beratungsprojekte bereitzustellen.

Nach Art der Beratungsfirma

Die Auswirkungen auf Beratungsfirmen unterscheiden sich abhÀngig von bestimmten Sektoren oder Regionen. Am schlimmsten betroffen sind jene Firmen, deren Arbeit von Reisen und Zeitaufwand beim Kunden vor Ort abhÀngen. Als Folge leiden operative Optimierungs- und Transformationsprojekte.

Die Strategiearbeit, die grĂ¶ĂŸtenteils von den BĂŒros der Berater aus durchgefĂŒhrt wird, kann fortgesetzt werden. Kunden werden zögern, langfristige Technologieprojekte, in die sie bereits erhebliche Investitionen getĂ€tigt haben, auf Eis zu legen.

Die vielfĂ€ltigeren und anpassungsfĂ€higeren Beratungsunternehmen werden wahrscheinlich eher ĂŒberleben, genauso wie jene mit einem guten Ruf. Die Herausforderung fĂŒr alle besteht darin, Pipelines wieder aufzubauen und den Vertrieb umzustellen. Der Aufbau von Vertrauen und Zuversicht, ohne persönlichen Kontakt, ist schwierig und die FĂ€higkeit, sich auf frĂŒhere Beratungserfolge berufen zu können, wird entscheidend sein.

Wie in jeder Krise, gibt es auch hier Personen, die profitieren. In diesem Fall sind es jene Berater, die in der Lage sind remote zu arbeiten, die Dienstleistungen in kritischen Bereichen anbieten können, insbesondere im digitalen und technologischen Bereich und die flexibel und agil in ihrem Dienstleistungsangebot sind. Freiberufler auf Freelance-Plattformen oder Online-Beratungsplattformen sind besonders gut in der Lage, den prognostizierten Abschwung auf dem Beratungsmarkt zu vermeiden oder zumindest zu steuern.

“Forscher haben einen RĂŒckgang des globalen Beratungsmarktes um 19 % von 160 Milliarden Dollar im Jahr 2019 auf 130 Milliarden Dollar im Jahr 2020 vorhergesagt.” - Bericht von Source Global Research
Wer sind die Gewinner der Pandemie?

Es steht außer Frage, dass das Brechen alter Gewohnheiten und Innovationen zum Erfolg gefĂŒhrt hat. Technologieunternehmen haben die FĂŒhrung ĂŒbernommen. Zoom beispielsweise konnte einen 20-fachen Anstieg an tĂ€glichen Nutzern verzeichnen und steigerte seinen Aktienkurs um 119 %. Tesla stellte einige seiner Montagelinien auf die Produktion von BeatmungsgerĂ€ten um und steigerte seinen Wert um 47 %.

Die Boston Consulting Group beschreibt in ihrem Survive-Thrive-Inspire-Modell drei AnsÀtze im Umgang mit der Pandemie:

  1. Einige Unternehmen konzentrierten sich darauf, zu ĂŒberleben, mit Schock und Unsicherheit umzugehen, Cashflows zu ĂŒberwachen, das GeschĂ€ft zu stabilisieren und Kunden zu halten, hauptsĂ€chlich ĂŒber digitale und virtuelle KanĂ€le.
  2. Andere sind gewachsen. Sie positionierten bestehende Produkte neu, um neuen BedĂŒrfnissen gerecht zu werden, neue Produkte schneller auf den Markt zu bringen und ihre Marke sichtbar zu halten. Uber ist ein gutes Beispiel hierfĂŒr. Sie starteten eine Zusammenarbeit mit Restaurants und Online-HĂ€ndlern, um zu gewĂ€hrleisten, dass notwendige Haushaltsartikel weiter geliefert, sowie Fahrer weiterbeschĂ€ftigt werden können. Atlassian, ein australisches Softwareunternehmen, hielt seine Marke an der Spitze, indem es kostenlose Testversionen und Tutorials seiner Automatisierungssoftware Jira anbot, um Unternehmen zu unterstĂŒtzen, die mit ArbeitskrĂ€ftemangel und ProduktivitĂ€tsblockaden zu kĂ€mpfen hatten.
  3. Diese Erfolge haben inspiriert. Die Unternehmen sind Teil der Lösung geworden, indem sie auf BedĂŒrftige zugehen und sich an Gemeinschaftsprojekten beteiligen. IBM leitet zum Beispiel ein Konsortium, das Forschern von COVID-19 kostenlos Hochleistungsrechner zur VerfĂŒgung stellt. Große Beratungsfirmen haben, nicht zuletzt durch die Bereitstellung eines stetigen Stroms aktueller Informationen und Forschungsergebnisse, Ă€hnliche Schritte unternommen.

Zum Erfolg der Unternehmen in diesen schwierigen Zeiten hat jedoch nicht nur das gefĂŒhrt, was sie getan haben, sondern vor allem auch wie sie es getan haben. Insbesondere wurde viel KreativitĂ€t, AgilitĂ€t und Disziplin bewiesen.

Fragen Sie sich als Berater, was Sie in Ihrem eigenen Unternehmen tun könnten, um diesen erfolgreichen Unternehmen nachzueifern und lassen sie diese Erkenntnisse in die Beratung und UnterstĂŒtzung Ihrer Kunden miteinfließen.

Post-COVID Möglichkeiten fĂŒr Projekte in der Beratungsbranche

Es scheint ein Klischee zu sein, zu sagen, dass COVID-19 die Art und Weise, wie wir Dinge tun, verĂ€ndert hat. Trotzdem trifft dies tatsĂ€chlich auf fast jeden von uns zu und sicherlich auch auf die Beratungsbranche. In dem Maße, in welchem sich Unternehmen an die neue NormalitĂ€t (ein weiteres Klischee) anpassen, werden Berater nach neuen GeschĂ€ftsmöglichkeiten suchen.

Digitalisierung

Eine der offensichtlichsten Möglichkeiten fĂŒr Berater liegt im digitalen Bereich. Eine Transformation zu mehr Digitalisierung, die in vielen Unternehmen vielleicht gerade erst in ErwĂ€gung gezogen wurde, ist nun unerlĂ€sslich geworden. Neue Technologien werden in nie gekannter Geschwindigkeit ĂŒbernommen. Ein Blick auf die Wirtschaft zeigt, wie Digitalisierung Industrien vorantreibt – E-Commerce, Fertigung, Mode, Versicherungen, Bergbau, um nur einige zu nennen.

Berater, ob auf freiberuflichen Plattformen oder in großen Unternehmen, sollten sich möglicherweise eingehender mit der Digitalisierung in Personal- und Finanzabteilungen von Unternehmen befassen. Dies sind Chancen, die sich aus dem, nach COVID-19 gestiegenen, Bedarf an flexiblen Arbeitsmodellen und Management-Tools ergeben. Vollzeit-, Teilzeit-, Vertrags-, Zeitarbeits- und ausgelagerte Anbieter mĂŒssen untergebracht werden, einschließlich VollzeitbeschĂ€ftigter, die weiterhin von zu Hause aus arbeiten. DarĂŒber hinaus besteht Druck in Bezug auf Echtzeitdaten und Analysen der Finanz- und Humankapitalleistung.

  • Die HR-Digitalisierung umfasst
    • Tools fĂŒr die Einstellung, Einarbeitung und MitarbeiterfĂŒhrung
    • Digitale Lernplattformen
    • Überwachung und Verwaltung entfernter und virtueller Arbeitnehmer

  • FĂŒhrungskrĂ€fte im Finanzbereich suchen nach Technologien fĂŒr
    • Cloud-Infrastruktur
    • Datensicherheit und Datenschutz
    • Management regulatorischer Herausforderungen

AgilitÀt

Ein weiterer Bereich mit viel Potenzial ist AgilitĂ€t – Die EinfĂŒhrung agiler Denkweisen, Systeme und Prozesse in Kundenorganisationen. Ein Kernwert fĂŒr AgilitĂ€t ist die Erzielung eines frĂŒhen Werts fĂŒr Unternehmen: Was kann in einem Sprint erreicht werden? Wie kann man Menschen mit den richtigen FĂ€higkeiten einsetzen, um schnell die richtigen Entscheidungen zu treffen? Wie kann man sich als Reaktion auf sich Ă€ndernde UmstĂ€nde umstellen?

AgilitĂ€t wird immer noch hauptsĂ€chlich mit der IT-Industrie in Verbindung gebracht. Es gibt jedoch immer mehr Anwendungen in den Sektoren der Finanzdienstleistung oder KonsumgĂŒter.

Datengesteuerte Strategien

Eine interessante Forschungserkenntnis ist, dass viele Unternehmen ihre Investitionen in Data Warehousing und Wirtschaftsinformations-Tools, nur im Hinblick auf Geschwindigkeit, geschĂ€ftliche WettbewerbsfĂ€higkeit und Vertrauen in Entscheidungen bewerten. Sie nutzen ihre Daten nicht fĂŒr die Entwicklung von Strategien oder zur Identifizierung neuer GeschĂ€ftsmodelle, Produkte oder Dienstleistungen. Dennoch sind maschinelles Lernen, KI, IoT, Verarbeitung natĂŒrlicher Sprache und Automatisierung allesamt Quellen strategischer Informationen fĂŒr Unternehmen. Berater können sich dies zunutze machen, um echten GeschĂ€ftswert zu erschließen und Betriebsmodelle zu Ă€ndern.

Die Macht des Online-Beratungsmarktplatzes

Wie bereits erwĂ€hnt, erschwert die soziale Distanz es Beratern, Vertrauen zu potenziellen neuen Kunden aufzubauen. Auch in frĂŒheren Krisen tendierten Unternehmen dazu, große etablierte Beratungsfirmen mit hohem Ruf einzusetzen.

FĂŒr Freiberufler bieten Online-Beratungsplattformen jedoch einen großen Vorteil. Zum Beispiel bĂŒrgt Consultport fĂŒr die Referenzen seiner registrierten Berater und bietet ihnen die Möglichkeit, Referenzen von frĂŒheren Kunden zu prĂ€sentieren. Freiberufler können auch in formellen oder informellen Gruppierungen zusammenarbeiten, um Beratungsprojekte abzuwickeln, die frĂŒher an große Firmen mit unterschiedlichen FĂ€higkeiten gegangen wĂ€ren.

Und natĂŒrlich sind Plattformen fĂŒr Freiberufler, in einer Welt die zunehmend remote ablĂ€uft und in der Unternehmen auf der Suche verschiedenster Ressourcen sind, zu einem sicheren Hafen geworden. Einer gut etablierten Plattform wie Upwork gelang, aufgrund der Freelance-Ära bedingt durch die Pandemie, ein Aktien-Anstieg um 44 %!

Beratung nach dem Coronavirus

Es wĂ€re töricht, feste Voraussagen fĂŒr die Beratungsbranche nach der Pandemie zu treffen. Die Krise machte jedoch den Bedarf an schnellen, tragfĂ€higen Lösungen, als Antwort auf die neuen Herausforderungen, deutlich.

Alle Signale deuten darauf hin, dass technisch versierte, freiberufliche Berater, die flexibel, agil und diszipliniert sind und ihre Dienste ĂŒber Online-Beratungsplattformen anbieten, am besten in der Lage sind, an dem Aufschwung der Wirtschaft, welcher stattfinden muss, teilzuhaben.