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Agile, Wasserfall oder beides: Wie findet man ein Gleichgewicht?

Blog Kategorie:
Veröffentlicht am:
Mai 22, 2022
Lesezeit:
10 minutes
Leo
Erfahrener Copywriter, welcher viel Geld für Restaurants ausgibt, nur um es danach zu bereuen.

Den größten Unterschied zwischen Agile und der Wasserfall-Methode kennen Sie vielleicht schon: Ersteres bietet Flexibilität und viele Möglichkeiten zu Veränderung, während letzteres eher starr und linear ist. Agile ermöglicht ständige Verbesserungen durch das Sammeln von Benutzerfeedback, während die Wasserfall-Methode, wie eben auch ein Wasserfall, keine Stopps zulässt.

Das bedeutet nicht unbedingt, dass eine Methode besser ist, als die andere. Beide Werkzeuge haben ihre eigene Anwendung und eignen sich am besten für bestimmte Arten von Projekten. In folgendem Artikel werfen wir einen Blick auf die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Agile und der Wasserfall-Methodik und erfahren, wie Sie beide kombinieren können. Dies wird Ihnen helfen, ein hybrides Management-Tool zu schaffen, das Ihnen hilft, Ihr Endziel rechtzeitig und innerhalb des Budgets zu erreichen.

Wasserfall vs. Agile: Ein Vergleich

"Agilität ist das Gegenteil von Planerfüllung, hat aber nichts mit Planlosigkeit zu tun. An die Stelle starrer Ziele treten viel mehr Visionen." - Horst Wildemann

Agile: Eine kurze Zusammenfassung

Agile ist eine Projektmanagement-Methode, die von einer Gruppe von Branchen-Vordenkern entwickelt wurde. Diese erkannten, dass der übliche Wasserfall-Ansatz viele Einschränkungen mit sich bringt. Aus diesem Grund verfassten sie das berühmte Agile Manifest und nahmen die folgenden vier Grundwerte darin auf:

  • Individuen und Interaktionen sind wichtiger als Prozesse und Werkzeuge.
  • Ein funktionierendes Produkt kommt vor einer umfassenden Dokumentation.
  • Zusammenarbeit mit dem Kunden steht über Vertragsverhandlungen.
  • Reaktion auf Veränderungen hat Priorität über dem Befolgen eines Plans.

Bevor Unternehmen Agile als zentrale Projektmanagement-Methode einsetzten, konzentrierten sich Teams an erster Stelle darauf, die besten Tools und Prozesse zu haben, um Ziele zu erreichen. Dabei wurden die eigentlichen Menschen oft vernachlässigt. Bei Agile jedoch ist dies nicht der Fall. Der Mensch steht an erster Stelle.

Des Weiteren gab es in der Vergangenheit oft Diskrepanzen zwischen den Anforderungen von Kunden und dem tatsächlichen Endprodukts. Agile löst dieses Problem durch die kontinuierliche Zusammenarbeit mit Kunden, sowie durch die Bereitstellung funktionierender Software.

Ein weiteres wichtiges Merkmal von Agile ist die Bereitschaft, sich auf Veränderungen einzulassen, anstatt sich diesen zu widersetzen. Während der Entwicklung einer neuen Software können sich beispielsweise die Technologie oder Kundenbedürfnisse ändern. In diesem Fall ist es sinnlos, an dem zuvor vereinbarten Produkt festzuhalten. Eine kontinuierliche Anpassung des Produkts ist hier die einzige funktionierende Option.

Doch wie jede andere Projektmanagement-Methode hat auch Agile seine Vor- und Nachteile. Lassen Sie uns nun einen Blick auf diese werfen.

Vorteile

  • Regelmäßige Sprints erhöhen die Produktivität und den Output drastisch.
  • Wenn sich die zu liefernden Ergebnisse oder der Projektumfang mitten im Projekt ändern, können Teams dies effizient bewältigen.
  • Agile legt Wert auf Transparenz, sodass Kunden über die Fortschritte des Projekts auf dem Laufenden bleiben können.
  • Eine funktionierende Software wird nach kurzer Zeit geliefert, sodass Änderungen je nach Wunsch des Kunden vorgenommen werden können.
  • Durch tägliche Stand-up Meetings können sich Projektmanager ein besseres Bild davon machen, was das Team an einem bestimmten Tag tut.

Nachteile

  • Der Projektumfang und der Zeitplan könnten sich von Zeit zu Zeit ändern, sodass einige Mitarbeiter diese wechselnden Zielvorgaben als stressig empfinden könnten.
  • Die Umsetzung von Agile bedeutet, dass verschiedene Abteilungen gleichzeitig an mehreren Phasen eines Projekts arbeiten, was zu Missverständnissen und sich überschneidenden Aufgaben führen kann.
  • Es kann schwierig sein, Fristen zu setzen oder zu verwalten, da Zeitpläne und Zeitvorgaben bei Agile nicht sehr starr sind und häufig Änderungen vorkommen.
  • Die Kommunikation kann bei der Einführung von Agile in großen Organisationen, aufgrund mangelnder Dokumentation oder schlechter Organisation der Dokumente, eine Herausforderung darstellen.

Wasserfall-Methode: Kurzer Rückblick

Im Gegensatz zu Agile ist die Waserfall-Methodik eine lineare Projektmanagement-Methode, die bei Projekten eingesetzt wird, bei welchen das Endziel eindeutig festgelegt ist und kein Spielraum für Änderungen besteht. So wie das Wasser in einem Wasserfall ohne Unterbrechung von oben nach unten fließt, bewegen sich die Phasen in Wasserfall-Projekten in einer vorhersehbaren und vorgegebenen Bewegung. Von Anfang an werden Projektleistungen, Meilensteine und ein Zeitplan festgelegt und alle Aufgaben im Projekt laufen in einer linearen Reihenfolge ab.

Agile, Agile, Wasserfall oder beides: Wie findet man ein Gleichgewicht?

Im Folgenden einige Vor- und Nachteile des Wasserfallmodells:

Vorteile

  • Die Kosten und der Zeitplan des Projekts können von Anfang an genau vorhergesagt werden.
  • Es wird eine lineare Abfolge eingehalten, sodass jeder weiß, was wann passieren wird.
  • Jede Phase muss vollständig abgeschlossen sein, bevor mit der nächsten begonnen werden kann. Dies trägt zu einem strukturierten Arbeitsablauf bei.
  • Die Messung des Fortschritts ist sehr einfach, da ein gut strukturierter und robuster Zeitplan erstellt und zu Beginn des Projekts genehmigt wird.
  • Kunden können keine Änderungen mehr verlangen, nachdem das Projekt begonnen hat, was Verzögerungen und verpasste Fristen verhindert.

Nachteile

  • Mangelnde Flexibilität ist der größte Nachteil der Wasserfall-Projektmanagement-Methodik.
  • Da eine lineare Abfolge eingehalten wird, können Verzögerungen in einer Phase das gesamte Projekt unnötig in die Länge ziehen.
  • Die kontinuierliche Zusammenarbeit mit Kunden ist bei der Wasserfall-Methode nicht die Norm und das Team arbeitet nur an den vereinbarten Ergebnissen. Dadurch kann es passieren, dass der Kunde mit dem Endprodukt unzufrieden ist.
  • Da Kunden nicht in das Projekt einbezogen werden, könnten sie Änderungen verlangen oder den Projektumfang erhöhen, was zu einer schleichenden Ausweitung des Projektumfangs führen kann.
  • Probleme in einer laufenden Phase können unbemerkt bleiben, bis die nächste Phase beginnt. Das bedeutet, dass das Team eine Kehrtwende machen und die Dinge in Ordnung bringen muss, bevor es weitergeht.

Agil vs. Wasserfall: Welche Methode sollten Sie wählen?

Nachdem Sie nun beide Projektmanagement-Methoden mit ihren Vor- und Nachteilen im Detail kennen, lassen Sie uns einen Blick darauf werfen, wie Sie die richtige Methode für Ihr nächstes Projekt auswählen.

Die Wasserfall-Methode eignet sich besser für Projekte, bei denen sich Teams an strenge Normen und Vorschriften halten müssen, die z. B. von Behörden vorgegeben werden.

Angenommen, ein Pharmaunternehmen beginnt ein neues Projekt für die klinische Erprobung eines neuen Medikaments. In diesem Fall muss es möglicherweise mehrere Phasen für das Projekt erstellen, einen Plan zur Risikominderung kreieren, ihn den Behörden zur Genehmigung vorlegen und dann den Prozess für die nächste Phase wiederholen.

Das Gleiche gilt für andere Branchen, in denen eine ordnungsgemäße Planung obligatorisch ist und es keinen Raum für Vermutungen oder Fehlschläge gibt. Nehmen Sie die Luft- und Raumfahrtindustrie als Beispiel. Man kann kein neues Raketenantriebssystem entwickeln, ohne in jeder Phase ein Häkchen zu setzen, bevor man zur nächsten Phase übergeht. Bei solchen Projekten ist kein Platz für „inkrementelle Verbesserungen” oder „Vorwärts-Scheitern“. Das Team sollte es gleich beim ersten Versuch richtig machen oder zumindest sein Bestes geben, um dies zu erreichen.

Dagegen kann Agile eine bessere Option für bestimmte Branchen wie IT, Design, Marketing, Entwicklung von Konsumgütern usw. sein. In diesen Sektoren kann es zu raschen Veränderungen kommen. Folglich müssen Unternehmen, um mit den Anforderungen des Marktes Schritt halten zu können, in der Lage sein, sich auf Veränderungen einzulassen. Agile Methoden eignen sich außerdem besser für Projekte mit einer starken Beteiligung von Kunden oder Interessengruppen. Dadurch wird sichergestellt, dass sowohl das Team, als auch der Kunde über den Projektfortschritt auf dem Laufenden bleiben und einander helfen, durch kontinuierliche Zusammenarbeit und Feedback das beste Endprodukt zu schaffen.



Ist eine Kombination aus Agile und Wasserfall möglich?

Management-Tools sind dazu da, Menschen zu helfen. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, die guten Aspekte verschiedener Methoden zu kombinieren, um eigene, maßgeschneiderte Versionen zu erstellen, die sich optimal zum Erreichen individueller Ziele eignen.

Wenn Sie beispielsweise an einem großen Projekt arbeiten, das sowohl vorhersehbare als auch flexible Teile hat, könnten Sie die Wasserfall-Methodik für die vorhersehbaren Aspekte und Agile für die iterativen und unsicheren verwenden. Angenommen ein Unternehmen in den USA arbeitet an der Veröffentlichung einer Online-App arbeitet, die es ermöglicht, in den Aktienmarkt zu investieren. In diesem Fall muss das Unternehmen unter Umständen verschiedene Genehmigungsphasen bei der US Securities and Exchange Commission (SEC) und der Financial Industry Regulatory Authority (FINRA) durchlaufen.

Die Projektphasen, die Genehmigungen erfordern, können also mit der Wasserfall-Methode angegangen werden. Auf andere Teile des Projekts kann dagegen Agile angewandt werden, z. B. auf das App-Design, die grafische Gestaltung, das Schreiben von Texten, das Content-Marketing usw.. Auf diese Weise kann viel Zeit gespart werden und das Unternehmen ist in der Lage, die App vor seinen Konkurrenten herauszubringen, die möglicherweise eine strikte Wasserfallstruktur verfolgen und damit das Projekt in die Länge ziehen.

Lassen wir uns die Erkenntnisse nochmals zusammenfassen:
Wenn die Projektziele und -ergebnisse sehr gut vorhersehbar sind oder wenn man in einer stark regulierten Branche arbeitet, ist die Wasserfallstruktur möglicherweise die beste Vorgehensweise. In einer dynamischen Branche wie der Softwareentwicklung dagegen, in der schnelles Scheitern, Experimente und Änderungen die Norm sind, ist Agile wahrscheinlich die bessere Wahl. Und schließlich, wenn ein Projekt sowohl vorhersehbare als auch unvorhersehbare Teile enthält, sollte man in Erwägung ziehen, eine Mischung aus beiden Managementinstrumenten anzuwenden.

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